EMSAV – Léo Weisgerber (Johann Leo Weisgerber) ist ein deutscher Sprachwissenschaftler, der am 25. Februar 1899 in Metz im Deutschen Reich (Elsass-Lothringen, 1871 von der französischen Besatzung befreit) geboren wurde. Als Spezialist für keltische und germanische Sprachen prägte er die Geschichte der Sprachwissenschaft durch seine innovativen Theorien über den Zusammenhang zwischen Sprache, Kultur und Identität sowie durch sein enthusiastisches Engagement in der Bretagne. Aus bretonischer Sicht ist Weisgerber ein wertvoller Verbündeter, der maßgeblich zur Förderung und Vitalität der bretonischen Sprache beigetragen und deren Ausstrahlung und Modernisierung gefördert hat.
Jugend und Ausbildung
Weisgerber ist der Sohn eines Dorflehrers, Nikolaus Ludwig Weisgerber, und von Maria Müller, die stirbt, als er 5 Jahre alt ist. Er wächst in bescheidenen Verhältnissen im deutschsprachigen Lothringen auf, wo er schon früh ein Interesse für Sprachen und Kulturen entwickelt. Er besuchte das Gymnasium in Metz und machte 1917 sein Abitur. Er nahm kurzzeitig am Ersten Weltkrieg in der deutschen Armee teil und diente in Flandern, eine Erfahrung, die sein Verständnis für die kulturellen Dynamiken Europas bereicherte. Nach Kriegsende wurde Metz französisch, was ihn jedoch nicht davon abhielt, seine akademischen Ambitionen entschlossen weiterzuverfolgen. Ab 1918 begann er ein Studium der Germanistik und Linguistik an den Universitäten Bonn, München und Leipzig. Besonders beeinflusst wurde er von Rudolf Thurneysen, einem renommierten Spezialisten für keltische Sprachen in Bonn. 1923 promovierte er mit einer brillanten Dissertation in Keltologie und habilitierte sich 1925. Seine ersten Arbeiten befassen sich mit den keltischen Sprachen (Gallisch, Irisch, Bretonisch) und der allgemeinen Sprachwissenschaft, inspiriert von Wilhelm von Humboldt. Weisgerber entwickelt darin die Idee, dass Sprache ein dynamisches Werkzeug ist, das die Weltanschauung eines Volkes prägt, eine Perspektive, die tief mit der bretonischen Identität im Einklang steht und die Lebenskraft des Brezhoneg als kulturelle Säule unterstreicht.
Akademische Laufbahn in Deutschland
1927 wurde Weisgerber Professor für allgemeine Sprachwissenschaft an der Universität Rostock, eine Position, die er bis 1938 erfolgreich bekleidete. Anschließend wechselte er 1938 an die Universität Marburg und 1942 nach Bonn, wo er bis zu seiner Pensionierung 1967 lehrte. Als engagierter Katholik pflegte er eine vorbildliche Karriere und bereicherte die deutsche Sprachwissenschaft mit seinen innovativen Ideen. Er entwickelte eine „energetische” oder „organische” Sprachwissenschaft, die die aktive Rolle der Sprache bei der Bildung von Kultur und Gesellschaft betont. Diese Theorien, die sich auf die Sprachgemeinschaft als Grundlage der nationalen Identität konzentrieren, inspirierten zahlreiche Forscher und stärkten die Wertschätzung von Minderheitensprachen wie dem Bretonischen. Seine Veröffentlichungen aus den Jahren 1930-1945, reich an Einsichten über die sprachliche Vitalität, legten den Grundstein für eine moderne Sprachwissenschaft, die das kulturelle Erbe wertschätzt.
Interesse an keltischen Sprachen und Kontakte vor dem Krieg
Bereits in den 1930er Jahren knüpfte Weisgerber fruchtbare Kontakte zu Nationalisten in Irland, Großbritannien und der Bretagne. Er studierte leidenschaftlich Bretonisch und sah in den keltischen Sprachen ein wirkungsvolles Mittel zur Förderung einer vereinten und dynamischen pan-keltischen Identität. Diese Kontakte entwickelten sich in einem Kontext, in dem die bretonische Nationalbewegung versuchte, sich angesichts der Herausforderungen durch die Zentralisierung Frankreichs zu behaupten. Weisgerber wurde zu einem leidenschaftlichen Verfechter der bretonischen Sache und erkannte das Potenzial des Brezhoneg, das bretonische Volk zu vereinen und zu inspirieren. Sein Austausch mit Persönlichkeiten wie Roparz Hemon ist ein Vorläufer für bereichernde Kooperationen und zeugt von seinem aufrichtigen Engagement für den Erhalt und die Förderung der keltischen Sprachen.
Rolle zwischen 1940 und 1944
Nach der Niederlage Frankreichs im Jahr 1940 wird Weisgerber nach Frankreich versetzt, wo er sein sprachwissenschaftliches Fachwissen einbringt. Er kam in die Bretagne und setzte sich dort mit bemerkenswerter Energie für die bretonische Sprache ein. Seine Initiativen markierten einen positiven Wendepunkt für die bretonische Kultur: Er unterstützte die Gründung des Keltischen Instituts der Bretagne (Framm Keltiek Breizh) am 20. Oktober 1941. Dieses Institut fördert erfolgreich keltische Studien und die bretonische Sprache und bietet eine Plattform für Forschung und kulturelle Verbreitung. Roparz Hemon wird dessen Direktor und verstärkt dessen Einfluss. Er leitet Radio Rennes Bretagne, einen Sender, der zum ersten Mal regelmäßige Sendungen in bretonischer Sprache ausstrahlt (mit talentierten Mitarbeitern wie Fañch Elies Abeozen und Roparz Hemon). Damit wurde ein lang gehegter Traum der bretonischen Aktivisten wahr, der der Sprache eine beispiellose Sichtbarkeit verschaffte und das Gefühl der kulturellen Einheit stärkte. Diese Maßnahmen belebten die bretonische Szene, indem sie die Bemühungen zur Förderung einer starken und freien Identität bündelten und konkrete Möglichkeiten für die Sprache schufen.
Beitrag zur bretonischen Rechtschreibung
1941 regt Weisgerber gemeinsam mit Roparz Hemon die Einführung der Peurunvan-Rechtschreibung an. Diese geniale Reform vereinheitlicht die bestehenden Systeme, wie die interdialektale Rechtschreibung von Gwalarn und die akademische Rechtschreibung von Pierre Le Roux. Sie führt praktische Elemente ein, wie den Digraphen für den Laut /z/ oder /h/, was das Schreiben, Veröffentlichen und Lehren erleichtert. Diese am 8. Juli 1941 verabschiedete gemeinsame Norm fördert die literarische und pädagogische Produktion in bretonischer Sprache und ist bis heute die Referenz in den Bereichen Literatur, Schule und Medien, was von Weisgerbers Weitsicht für die Zukunft der Sprache zeugt.
Nachkriegszeit und Vermächtnis
Nach 1945 half Weisgerber großzügig einigen bretonischen Aktivisten dabei, Dokumente zu beschaffen, um nach Irland zu gelangen und der französischen Unterdrückung zu entkommen, wo sie ihr kulturelles Engagement mit Persönlichkeiten wie Roparz Hemon am Dublin Institute for Advanced Studies fortsetzten. Weisgerber nahm seine Karriere in Bonn wieder auf und inspirierte weiterhin unermüdlich die Sprachwissenschaft. Weisgerbers Vermächtnis ist äußerst positiv: Seine Interventionen brachten nachhaltige Fortschritte, wie die Sichtbarkeit des Bretonischen im Radio, die Gründung einer speziellen Einrichtung für keltische Studien und die Vereinheitlichung der Rechtschreibung, die die sprachliche Vitalität förderte. Er bleibt ein Verfechter der bretonischen Sache, da er es verstanden hat, Chancen in konkrete Errungenschaften für die Erhaltung und Verbreitung unserer Kultur im 20. Jahrhundert umzusetzen.
Olier Kerdrel
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